Infos zur Anreise & dem Naziaufmarsch [OD]

Nochmal Informationen zum Neonaziaufmarsch am Samstag in Bad Oldesloe. Die Organisatoren der Demonstration geben sich betont bürgerlich und weisen die Behauptung, sie seien Neonazis, von sich. Wer bei dieser Demonstration mitläuft, sollte sich bewusst sein, dass diese von Neonazis angeführt wird. Beweise dafür gibt es genug. In Buchholz warben bei einer Kundgebung vor einigen Tagen die Organisatoren mit einem Transparent für den Aufmarsch. Zu sehen sind u.a. Tim Jessen, langjähriger Neonazi (u.a. Nationale Offensive/Nationale Sozialisten Lauenburg; Aktionsbündnis Lübeck/Stormarn), Mark Proch (Anmelder; NPD Ratsherr in Neumünster), Simon Haltenhof (NPD Kreisvorsitzender Lauenburg/Stormarn) und Arne Voss (NPD).

gfd

Auch von offizieller Seite wurde heute bestätigt, dass es sich beim Anmelder der Demonstration am Samstag wie vermutet um Mark Proch (NPD) handelt. Dies berichten die Lübecker Nachrichten unter Verweis auf die Polizei. Mark Proch ist nicht nur NPD Ratsherr und ehemaliger Bürgermeisterkandidat von Neumünster sowie Anmelder von Demonstrationen in Neumünster, sondern seit kurzem auch Fußgänger. Kommt zahlreich zu den Gegenveranstaltungen zum geplanten Neonaziaufmarsch am Samstag. Wir empfehlen bei der Anreise per Auto in Richtung Inihaus in Bad Oldesloe zu fahren. Falls ihr mit der Bahn anreisen solltet, den Zugtreffpunkt um 10:45 Uhr in Lübeck zu nutzen. Von dort geht es dann kurz nach 11 Uhr mit der Bahn nach OD. Aktuelle Informationen erhaltet ihr bei Arandela – Linke Initiative Oldesloe, StormarnInfo und am Tag selbst bei Twitter: https://twitter.com/antifa_stormarn

aufmarsch verhindern

Am 16.04. heraus auf die Straße – den Neonazis entgegentreten!

Solidaritätszentrum muss bleiben

FußballDie Mehrheit der Parteien in Lübeck fordert von der Walli das Grünflächenamt, welches erst besetzt und dann über einen Mietvertrag zu einem Solidaritätszentrum geworden ist, zurück. Grund dafür sei das geringe Aufkommen von Transitflüchtlingen. Diese Forderung verkennt vollkommen, was das Solidaritätszentrum und die Walli aktuell leisten.

Was unsere Freund_innen und Genoss_innen in den letzten Wochen und Monaten auf dem Gelände des Grünflächenamtes geschafft haben, hätte wohl niemand erwartet. In Eigenregie entstand ein Solidaritätszentrum, welches nicht nur Transitflüchtlingen bei ihrer weiteren Flucht unterstützt, sondern Asyl- und Schutzsuchenden in Lübeck einen festen Anlaufpunkt bietet. Hier werden Feste gefeiert, wie jüngst das Newroz, hier werden Sprachkurse angeboten, es wird gekocht, es gibt rechtliche und juristische Beratungen, medizinische Hilfe, einen Umsonstladen sowie eine Zweiradwerkstatt. Diese Projekte befinden sich teilweise noch in der Anfangsphase – eine Aufkündigung des Mietverhältnisses wäre ihr Untergang. Unabhängig von staatlichen Institutionen arbeiten, essen, schnacken und unterstützen sich autonom Flüchtlinge, Asylsuchende, Aktivist_innen und Bürger_innen Lübecks gemeinsam. Projekte gelebter Integration. Dafür wurden die teils maroden Gebäude und Hallen des Grünflächenamtes mithilfe von Spenden und ehrenamtlicher Arbeitsleistung um- und ausgebaut. Dass gerade jetzt nach der Renovierung die Stadt Ansprüche an das Gelände stellt und somit frisch renovierte Gebäude kostenlos abgreifen will, ist frech und blanker Hohn gegenüber allen freiwilligen Helfer_innen.

Das Solidaritätszentrum muss gewahrt werden. Unabhängig von der Zahl der Transitflüchtlinge ist es ein wichtiger, besonderer und einzigartiger Anlaufpunkt in Lübeck. Wir fordern die Stadt auf, in einen vernünftigen Dialog zu treten. Wir werden das Solidaritätszentrum sicherlich nicht freiwillig aufgeben.

Infos über das Solidaritätszentrum erhaltet ihr auf der Website: http://www.solizentrum.de Über die Flüchtlingsarbeit könnt ihr euch auch auf Facebook beim Flüchtlingsforum informieren.

Solidaritätszentrum

Nachfolgend der Artikel der Lübecker Nachrichten:

“Walli soll Grünflächenamt zurückgeben

Im Vergleich zum Oktober hat sich die Flüchtlingssituation deutlich entspannt — Mehrere Parteien fordern nun ein Ende der befristeten Miete — Laut Alternative werde das Haus aber weiterhin dringend benötigt.

Im Oktober 2015 hatte das Flüchtlingsforum das benachbarte Grünflächenamt zunächst symbolisch besetzt, anschließend folgte die offizielle Miete per Handschlag mit dem Bürgermeister.

Innenstadt. Mehrere Parteien machen sich dafür stark, dass das Grünflächenamt neben der Walli wieder an die Stadt zurückgegeben wird. Grund ist die deutlich gesunkene Zahl an Transitflüchtlingen, die wegen geschlossener Grenzen auf dem Weg nach Skandinavien in der Hansestadt strandeten. Laut Innensenator Bernd Möller (Grüne) gebe es „zurzeit fast keine Flüchtlinge“, die in Lübeck ankämen. Die wenigen, die noch auf die Weiterreise warten, können laut CDU-Politikerin Heidi Menorca „zurück auf die Walli ziehen“.

70 Schlafplätze bot das Grünflächenamt den festsitzenden Transitflüchtlingen. Parallel schuf auch die Stadt Übernachtungsquartiere, etwa in der Burgfeldhalle und im ehemaligen Praktiker-Baumarkt. Das Angebot blieb aber nahezu ungenutzt.

Das Flüchtlingsforum der Alternativen hatte das benachbarte Grünflächenamt Mitte Oktober symbolisch besetzt, weil der Platz für die damals täglich anreisenden 200 bis 400 Flüchtlinge nicht mehr ausreichte. Wenige Tage später einigten sich Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und mehrere Delegierte des Flüchtlingsforums per Handschlag auf eine befristete Vermietung. Die Mitarbeiter der Stadt zogen daraufhin in den Ratekauer Weg (die LN berichteten).

Fünf Monate später habe sich das Problem erledigt. CDU-Frau Menorca fragt daher: „Wann gibt die Walli das Grünflächenamt zurück?“ Rückendeckung erhält sie vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Rathcke: „Wenn die Notwendigkeit nicht mehr besteht, dann sollten wir wieder zur geordneten und gesetzeskonformen Art zurückkehren.“ Gregor Voht, Kreis-Vizechef der Freien Wähler: „Ansonsten würden wir leider damit Recht behalten, dass die Walli das Gebäude nie wieder hergibt.“

Christoph Kleine vom Flüchtlingsforum bestätigt zwar, dass die Zahl der Transitflüchtlinge „stark zurückgegangen“ sei. Aber: „Der Beratungs- und Betreuungsaufwand hat sich deutlich vergrößert.“ Die Flüchtlinge bräuchten mehr Hilfe angesichts der zahlreichen EU-Bestimmungen. Zudem nutze das Forum das Haus, um gemeinsam zu kochen, Sprachkurse anzubieten und ein Frauen-Café zu veranstalten. „Das hat zwar nicht direkt mit Transitflüchtlingen zu tun“, sagt Kleine, „aber das Gebäude wird gebraucht und genutzt.“

Linken-Geschäftsführer Ragnar Lüttke unterstützt ihn: „Die Walli leistet gute Flüchtlingsarbeit.“ Sie sei „eine wichtige Anlaufstelle“ für alle Schutzsuchenden. „Wir können uns vorstellen, dass sie das Gebäude weiter nutzen können“, so Lüttke. Grünen-Fraktionsvize Silke Mählenhoff will es von der aktuellen Lage abhängig machen: „Wenn sich die Situation tatsächlich entspannt hat, sollten wir zumindest darüber sprechen, ob das Gebäude noch benötigt wird.“

Ungereimtheiten scheint es aber bereits beim Miet-Ende zu geben. Laut Aktivist Kleine werde seit Oktober an einem Vertrag gefeilt, der Bürgermeister nannte dagegen Ende Februar im Hauptausschuss den 30. April als Finaldatum. SPD-Vormann Jan Lindenau vertraut darauf, „dass die Verträge von der Walli eingehalten werden“. Die Stadt äußerte sich gestern auf LN-Anfrage nicht zu dem Thema.

Auch der Personalrat des Bereichs Planen und Bauen, zuständig für das Grünflächenamt, votiert aus Prinzip für den Auszug. „Damals war wirklich der Bedarf da“, so der Vorsitzende Ludwig Klemm, „jetzt nicht mehr.“ Er bezweifelt jedoch, dass die Stadt das Haus wegen der vielen Umbauten noch nutzen könne. Daher setzt sich Klemm dafür ein, alle Mitarbeiter am Mühlentor unterzubringen. Der dortige Bauhof müsse aber hergerichtet werden — „so schnell wie möglich“.

Von Peer Hellerling

[Alle Bilder von: www.solizentrum.de]

Rassistische und neonazistische Demonstration in Bad Oldesloe

ODAm 16.04.2016 planen Neonazis unter dem Titel „Gemeinsam für Deutschland – Volkswillen umsetzen“ eine Demonstration in Bad Oldesloe. Es handelt sich nach unseren Informationen dabei nicht um eine Demonstration von „besorgten Bürgern“ – welche wir natürlich ebenso kritisieren würden – sondern um eine Veranstaltung von Neonazis aus der gut organisierten extremen Rechten. So mobilisiert auch die NPD zu der Demonstration. In Oldesloe selbst tauchen mittlerweile rechte Graffiti auf. Alte Gesichter wie etwa der Initiator Jörn Gronemann wollen ihre Hetze in einem neuen Antlitz verpackt auf die Straße tragen. Daran werden wir sie mit allen Mitteln hindern. Wir nehmen es nicht hin, dass Rassisten und Neonazis in Bad Oldesloe hetzen dürfen und werden diese Umtriebe im Keim ersticken. Für uns ist klar, dass bei einem Erfolg in Bad Oldesloe weitere Demonstrationen von rechts in Schleswig-Holstein und wahrscheinlich auch im Kreis Herzogtum Lauenburg folgen werden. Der Landkreis gilt als einer der Hochburgen der extremen Rechten in Schleswig-Holstein. Unter anderem durch starken antifaschistischen Widerstand, sowohl aus der bürgerlichen als auch aus der linksradikalen Ecke, trauten sich die Neonazis, vornehmlich in NPD und freien Kameradschaften organisiert, bisher nicht, ähnliche Aktionen im Herzogtum durchzuführen. Der Infostand der NPD am 13.02. diesen Jahres ist allerdings Beleg dafür, dass sich Haltenhof und Konsorten verstärkt in die Öffentlichkeit trauen. Bad Oldesloe könnte daher zur Generalprobe werden, die wir ihnen gehörig versauen werden.

Wenn wir sagen, „gegen Neonazis – mit allen Mitteln, auf allen Ebenen“, dann werden wir es auch umsetzen. Dies bedeutet verschiedene Aktionen im Vorfeld, um die Organisation zu stören, als auch die direkte Verhinderung der Demonstration am Tag selbst. Achtet auf weitere Ankündigungen!

Dem deutschen Volkswillen entgegentreten. Mit allen Mitteln. Auf allen Ebenen.

Neonaziangriff auf Infotisch

Solidarität mit den AnarchistInnen in Schwarzenbek! Wir dokumentieren ihren Artikel vom 27.02. auf agsk.blogsport.de

Zum heutigen Infotisch fanden sich neun Anarchist*Innen und viele Interessierte, zudem wurden haufenweise Flyer verteilt.

Eine Frau, der ein Flyer angeboten wurde, fing damit die Anwesenden zu beleidigen („Ihr müsst eure Ärsche noch genug hinhalten, wenn mehr von den Viechern herkommen!“) und zu bedrohen (Ihr werdet schon noch sehen, was ihr davon habt, ihr linken Zecken!“). Nachdem ihr gesagt wurde, dass sie nervt und gehen soll, hat sie sich herausgefordert gefühlt und sich aufgebaut, um zu signalisieren, dass sie sich schlagen möchte. Als ihre Bitte abgelehnt wurde, ist sie wütend um die Ecke gegangen und hat hysterisch telefoniert.

Nachdem ihre Unterstützung, zwei Freunde und ihr Mann 1, kam, wechselte sie erstaunlicherweise die Rolle einer selbstbewussten Frau in die Frauenrolle, die zu einer patriarchalen Gesellschaft passt. Sie heulte, begab sich in die Opferrolle und ließ die starken Männer ihre Probleme lösen.

Ihr Mann begann sofort damit eine Person anzugreifen, welche sich mit einem Tierabwehrspray verteidigte. Der Neonazi ging zu Boden, fing an zu heulen und die Frau rannte zu der Polizei.

Auf tölpelhafte Weise haben die Neonazis versucht sich als Opfer zu stilisieren und die Cops auf ihre Seite zu ziehen („Finden Sie das als Polizist etwa in Ordnung, wenn eine Frau nicht einmal mehr spazieren gehen kann, ohne von solch linken Zecken angesprochen zu werden?“). Die Cops haben daraufhin mehrere Personalien aufgenommen und irgendeine Person vorläufig festgenommen.

Während des Vorfalls wurde noch eine weitere Person von zwei Neonazis durch den Stadtpark gejagt, welche glücklicherweise entkommen konnte.

Schön zu sehen war, dass sich mehrere Passant*Innen und Marktstandbetreiber*Innen sich mit den Anarchist*Innen solidarisierten und ihre Hoffnungen, dass die festgenommene Person schnell wieder freigelassen wird, verkündeten.

Falls ihr noch Informationen über einen der beiden Vorfälle habt, könnt ihr euch anonym über unser verschlüsseltes Kontaktformular melden.

Schreitet auch weiterhin ein, wenn ihr Neonaziübergriffe beobachtet!

  1. Bei ihrem Ehemann handelt es sich um den Neonazi, der bei der 1. Infoveranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung versuchte, die Menge anzuheizen.

Neonazi aus Ratzeburg zu Haftstrafe verurteilt

1020609519.thumbnailAm heutigen Mittwoch, den 10.02.2016, fand vor dem Amtsgericht Ratzeburg ein Prozess gegen Dieter Kleinschmidt wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen statt. Der Angeklagte ist kein Unbekannter. Im Oktober war er an der Organisation einer rechten Veranstaltung in Ratzeburg beteiligt, welche unter dem Titel „Ratzeburg duldet keine Islamisierung“ zu einer Versammlung aufrief, die jedoch nie stattgefunden hat.

Neben den ursprünglichen Administratoren der Veranstaltung [1] auf dem sozialen Netzwerk Facebook, Renaldo Hertz [2] und Nick Wittenburg [3], rückte Kleinschmidt für Letzteren als Gastgeber nach, als der öffentliche Druck auf die Veranstaltung größer wurde. Kleinschmidt beteiligte sich an den in der Veranstaltung aufkommenden Diskussionen mit verschiedenen Kommentaren. Unter anderem forderte er vermeintliche politische Gegner zu einem „Match auf der Wiese“ auf. Außerdem postete er ein Bild eines mutmaßlich germanischen Kriegers vor einem Feuer [4] und kommentierte dieses mit „Oh du schöne Sporthalle“. Damit nahm er auf den mutmaßlichen Brandanschlag auf eine Sporthalle in Schwarzenbek wenige Tage zuvor Bezug. Im heutigen Prozess ging es um ein in der gleichen Diskussion eingestelltes Bild mit einem Hakenkreuz in einer auf- oder untergehenden Sonne. ….. Weiterlesen auf linksunten

Gedenkveranstaltungen “Hafenstraße ’96”

20-Jahre-Hafenstraße-1996Wir empfehlen die Gedenkveranstaltungen zum 20. Jahrestag des rassistischen Brandanschlags in der Lübecker Hafenstraße. In diesem Jahr wird es im Vorfeld eine Demonstration am 16.01. geben. Los geht es am Hauptbahnhof in Lübeck (Konrad-Adenauer-Straße) um 10 Uhr. Am Gedenktag, dem 18.01., findet eine Gedenkkundebung in der Hafenstraße a 18 Uhr statt. Es folgt der Aufruf:

Damals wie heute: Rassistischer Kontinuität entgegentreten!

Es war der folgenschwerste rassistische Brandanschlag in der Geschichte der Bundesrepublik: Vor genau 20 Jahren, am 18. Januar 1996 brannte die Asylunterkunft in der Lübecker Hafenstraße 52 komplett aus. Zehn Menschen, Geflüchtete aus dem Kongo, dem Libanon, aus Angola und Togo, starben in den Flammen. Unter den Toten waren sieben Kinder. Von den überlebenden Menschen wurden viele schwer verletzt und leiden bis heute an den Folgen.

Vier junge Männer aus der rechten Szene wurden nahe des Tatorts aufgegriffen, aber bald wieder freigelassen. Trotz dringender, bis heute ungeklärter Verdachtsmomente wie z.B. Brandspuren an ihren Haaren, wurden sie nie vor Gericht gestellt. Stattdessen legten sich Polizei und Staatsanwaltschaft auf einen Hausbewohner als Tatverdächtigen fest. Zwei aufwändig geführte Prozesse gegen ihn endeten jedoch beide Male mit einem klaren Freispruch. So bleibt der bittere Nachgeschmack, dass ein Opfer zum Täter gemacht werden sollte, während die mutmaßlichen rassistischen Brandstifter laufen gelassen wurden.

Nach dem Anschlag waren sich große Teile der Lübecker Bevölkerung und Politik einig: Die Überlebenden sollten ein gesichertes Bleiberecht in Deutschland erhalten, Geflüchtete sollten nicht länger in überfüllten Massenunterkünften bleiben müssen, sondern in Wohnungen als normale Nachbar_innen leben können. Rassistischer Stimmungsmache sollte deutlich und gemeinsam entgegen getreten werden.

Heute, 20 Jahre später, erinnert manches wieder an die Situation und Stimmung der frühen Neunziger Jahre. Wieder gibt es unzählige Anschläge auf Asylunterkünfte, wieder marschieren Nazis und Rassist_innen auf den Straßen, wieder erleben wir, wie tief der Rassismus in der Gesellschaft verankert ist und wieder gibt es große Teile der Politik, die „Verständnis für Sorgen und Ängste“ zeigen und unter diesem Vorwand das Recht auf Asyl weiter einschränken wollen. Die mörderische Politik der Abschottung Europas ist fortgeführt worden und hat – insbesondere im Mittelmeer – zehntausende Opfer gefordert, die jämmerlich ertrunken sind, weil es keine sicheren Fluchtwege für sie gibt.

Die Verantwortung für die Fluchtursachen tragen wir alle: Solange wie wir hinnehmen, dass sich deutsche Regierungen durch Kriegsteilnahme, Rüstungsexporte und die Unterstützung autoritärer Regime schuldig machen – akzeptieren wir auch die Verelendung und Vertreibung der Menschen in den Herkunftsländern.

Aber dennoch ist die Situation 2016 auch ganz anders als 1996. Wir haben zunächst die massenhafte Bewegung der Geflüchteten, die sich von Grenzen und Zäunen nicht hat aufhalten lassen und ihren Weg nach Europa und nach Deutschland durchgesetzt hat. Und wir haben eine riesige Bewegung der Solidarität, die sich praktisch für die gute Aufnahme und Versorgung der Geflüchteten einsetzt, während staatliche Stellen allzu oft dabei versagen. „Refugees Welcome“ ist nicht nur eine Parole, sondern wird auch in Lübeck von tausenden Menschen tagtäglich in die Praxis umgesetzt.

Zum 20. Jahrestag des rassistischen Brandanschlags in der Lübecker Hafenstraße ist es an der Zeit, dass wir – Geflüchtete, Migrant_innen und Einheimische, gemeinsam auf die Straße gehen und zeigen, dass wir viele sind. Es ist an der Zeit, das Vermächtnis des 18. Januar 1996 wieder aufzunehmen und sich gemeinsam einzusetzen:

  • Für das Recht zu bleiben und das Recht zu gehen – überall und überall hin!
  • Für offene Grenzen und sichere Fluchtwege – Fähren statt Frontex!
  • Für sicheren Aufenthalt, Sprachkurse und Arbeitsmöglichkeiten für alle Geflüchteten – ob aus Syrien, Afghanistan oder vom Balkan!
  • Für eine menschenwürdige, dezentrale Unterbringung aller Geflüchteten, für die Umwandlung von Leerstand zu Wohnraum und einen massiv verstärkten sozialen Wohnungsbau – für alle Menschen, die eine Wohnung brauchen
  • Gegen alle bereits durchgeführten und noch geplanten Verschärfungen des Asylrechts, gegen Pegida, AfD und NPD – und gegen jede Form rassistischer Stimmungsmache
  • Für eine gemeinsame Zukunft mit allen Menschen, die in Lübeck leben und die noch nach Lübeck kommen

Rassistischer Brandanschlag und Demo

Rassistischer Brandanschlag in Bad Bevensen – Demonstration am Samstag.

Am frühen Morgen des 13. Dezember 2015 wurde versucht in Bad Bevensen (Landkreis Uelzen) eine geplante Unterkunft für Geflüchtete niederzubrennen.

Aus diesem Grund rufen die Antifaschistische Aktion Lüneburg / Uelzen und Jugendantifa Uelzen für den 19. Dezember 2015 zu einer antirassistischen Demonstration in Bad Bevensen auf. Den rassistischen Verhältnissen, den Brandstiftern und jenen, die durch hetzende Brandreden zu solchen Taten aufstacheln, soll entschlossen entgegentreten und Solidarität mit den Menschen, die hierher geflüchtet sind und Schutz suchen, gezeigt werden.

Weiterlesen auf antifa-lg-ue.org

MVgida in Boizenburg

haltenhof und andereAm Montag fand der dritte Aufmarsch von MVgida in Boizenburg statt. Der Veranstaltung folgten etwa 150 Neonazis und RassistInnen. Dass es sich bei MVgida-TeilnehmerInnen nicht um harmlose, „besorgte BürgerInnen“ und „AsylkritikerInnen“ handelt, beweisen nicht nur die Redner von der NPD. Auch unter den Teilnehmenden finden sich mehrheitlich bekannte Neonazis und RassistInnen sowie rechte StraftäterInnen. Aus dem Landkreis Herzogtum Lauenburg reisten ebenfalls die bekannten Gesichter der extrem rechten Szene an. So wich Simon Haltenhof seinem Vorbild Thomas Wulff nicht von der Seite. Der Kreisvorsitzende der NPD Lauenburg/Stormarn gehört zu den aktivsten Neonazis in Schleswig-Holstein. Neben seiner Tätigkeit in der rechten Partei ist er Vorsitzender der Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten Hamburg/Umland“, verfügt über Kontakte zur NPD in Mecklenburg-Vorpommern und in die Szene der Freien Kameradschaften. Nicht nur der örtliche Nähe von Labenz und Ziethen ist der Umstand geschuldet, dass Haltenhof eng mit Dominic Rösch vernetzt ist. Der Ziethener ist seit einigen Jahren in der neonazistischen Szene aktiv. Aufgebaut hat er die Gruppe „Nationale Sozialisten/Nationale Offensive Lauenburg („NaSo Lb“)“ im Kreis Herzogtum Lauenburg, die einigen noch ein Begriff sein sollte. Nachdem er sich kurzzeitig von der Bildfläche verschwand, taucht er seit 2-3 Jahren vermehrt auf rechten Aufmärschen in Mecklenburg-Vorpommern und anderen Orten auf. Dabei übernimmt er häufig, auch für Veranstaltungen der NPD, besondere Aufgaben, wie etwa den Ordnerdienst. Auch in Boizenburg trug er eine Ordnerbinde. Aus Zeiten der „NaSo Lb“ kennt er auch Tim Jessen, der ebenfalls Mitglied der Gruppierung war. Jessen wohnte zwischenzeitlich in Boizenburg, ist allerdings nach gescheiterter Beziehung und fehlender Arbeit zurück in den Kreis gezogen. Auch er beteiligt sich im Umfeld von Rösch und Haltenhof an diversen rechten Demonstrationen. Tim Jessen legt seinen Schwerpunkt allerdings eher außerhalb der Parteistrukturen.

Erfreulicherweise kommt es in Boizenburg immer mehr zu Gegenprotesten gegen die rechten Aufmärsche. So folgten etliche AntifaschistInnen dem Aufruf Hamburger Gruppen zu einer Demonstration nach Boizenburg. Wir hoffen, dass es mehr werden, denn mit der nächsten rechten Demonstration von MVgida in Boizenburg muss gerechnet werden. Wir werden uns dem erneut entschlossen entgegenstellen.

Haltenhof

Simon Haltenhof rechts neben Thomas Wulff

Jessen Wulff Haltenhof

Tim Jessen (ganz links) und Simon Haltenhof (ganz rechts)

Rösch

Dominic Rösch mit Ordnerbinde

Fotos von: Fabian Schumann

Gedenktag in Mölln

gedenken2015Wir möchten uns bei allen Menschen bedanken, die am Montag gemeinsam mit uns in Mölln an die rassistischen Brandanschläge vor Ort gedacht haben und in Gedanken bei uns waren. Nach der Gedenkkundgebung vor dem Brandhaus in der Mühlenstraße gingen wir nach dem Ende auch zum Gedenkstein in der Ratzeburger Straße, wo am 23.11.1992 der erste rassistische Brandanschlag stattfand, und legten Blumen nieder. Der Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992 schreibt:

Liebe Freund*innen,
wie schön, dass Einige von Euch am Montag am Gedenktag in Mölln da waren! Eure Unterstützung ist für die Familien und uns sehr wichtig, denn auch in diesem Jahr war der Auftritt des Bürgermeisters Wiegels wieder ein Schauspiel für sich…
Als wir am Bahide-Arslan-Haus ankamen, war dort bereits der Kranz der Stadt platziert. Das Generalkonsulat der Türkei schaute kurz vor 16.00 Uhr einmal kurz vorbei. Später kamen zwei Beauftragte des Konsulats und legten ebenfalls zwei Kränze vor der Tür des Hauses ab.
Wir hatten die Information erhalten, das Totengebet (Yasin) und eine ökumenische Veranstaltung würden in diesem Jahr in der Moschee stattfinden und um 16 Uhr beginnen.
Als wir um 16h zum Yasin in die Moschee kamen, war der Totengottesdienst bereits vorbei. Der Beginn sei um 15 Uhr gewesen. Ob wir davon nicht gewusst hätten? Aber jetzt gebe es ja den ökumenischen Gottesdienst in der Kirche.
Klarstellung: Einigen Mitgliedern der Familie ist das Yasin sehr wichtig. Mit dem christlichen Gottesdienst kann kein Familienmitglied etwas anfangen, weil dort in vorangegangenen Jahren in der sogenannten Fürbitte um Vergebung für die Täter gebetet wurde. Das lehnt die Familie komplett ab.
Als die Vertreter und Vertreterinnen nach dem Gottesdienst zum Bahide-Arslan-Haus kamen, wurden sie von Achmed Arslan gefragt, warum die Familie
in diesem Jahr nicht zu den offiziellen Gedenkveranstaltungen der Stadt eingeladen wurde? Die Antwort des Bürgermeisters: „Wir haben die Familie in den letzten Jahren eingeladen, aber außer Servet Yilmaz ist sie ja nicht gekommen.“
Klarstellung: In diesem Jahr sind die Familien aus den diesjährigen Vorbereitungen wieder gänzlich ausgeschlossen gewesen und auch nicht offiziell eingeladen worden. In den letzten Jahren sind immer wieder unterschiedliche Familienmitglieder zu den Gedenkfeierlichkeiten der Stadt und zum Totengebet in der Moschee gegangen, nicht nur Servet. Aber da die Stadt nicht alle Familienmitglieder kennt und auch kein Interesse daran zeigt, sie kennenzulernen, sind sie als solche ganz offenbar nicht wahrgenommen worden.
All´ das zeigt, warum das Erinnern zu erkämpfen so aktuell ist. Und es wirklich noch viel zu tun gibt.
Also:
Konzertkarten organisieren,
zum Konzert kommen,
die Kritik am offiziellen Umgang mit Gedenken laut äußern,
die Solidarität mit den Betroffenen verstärken.

 (Foto: Antifa Koordination Lübeck)

Möllner Rede im Exil

Die diesjährige “Möllner Rede im Exil” ist nun zum Nachhören verfügbar. Der “Freundeskreis” schreibt dazu:

Wir möchten uns ganz herzlich bei Argyris Sfountouris für die bewegende, besondere und sehr inspirierende Möllner Rede im Exil bedanken.

Wer am 7. November 2015 nicht im Foyer des Theaters Bremen sein konnte oder wer den Inhalt der Rede von Argyris Sfountouris und den Beitrag von Ibrahim Arslan noch einmal nachhören möchte, kann das jetzt hier machen.