Gedenktag in Mölln

gedenken2015Wir möchten uns bei allen Menschen bedanken, die am Montag gemeinsam mit uns in Mölln an die rassistischen Brandanschläge vor Ort gedacht haben und in Gedanken bei uns waren. Nach der Gedenkkundgebung vor dem Brandhaus in der Mühlenstraße gingen wir nach dem Ende auch zum Gedenkstein in der Ratzeburger Straße, wo am 23.11.1992 der erste rassistische Brandanschlag stattfand, und legten Blumen nieder. Der Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992 schreibt:

Liebe Freund*innen,
wie schön, dass Einige von Euch am Montag am Gedenktag in Mölln da waren! Eure Unterstützung ist für die Familien und uns sehr wichtig, denn auch in diesem Jahr war der Auftritt des Bürgermeisters Wiegels wieder ein Schauspiel für sich…
Als wir am Bahide-Arslan-Haus ankamen, war dort bereits der Kranz der Stadt platziert. Das Generalkonsulat der Türkei schaute kurz vor 16.00 Uhr einmal kurz vorbei. Später kamen zwei Beauftragte des Konsulats und legten ebenfalls zwei Kränze vor der Tür des Hauses ab.
Wir hatten die Information erhalten, das Totengebet (Yasin) und eine ökumenische Veranstaltung würden in diesem Jahr in der Moschee stattfinden und um 16 Uhr beginnen.
Als wir um 16h zum Yasin in die Moschee kamen, war der Totengottesdienst bereits vorbei. Der Beginn sei um 15 Uhr gewesen. Ob wir davon nicht gewusst hätten? Aber jetzt gebe es ja den ökumenischen Gottesdienst in der Kirche.
Klarstellung: Einigen Mitgliedern der Familie ist das Yasin sehr wichtig. Mit dem christlichen Gottesdienst kann kein Familienmitglied etwas anfangen, weil dort in vorangegangenen Jahren in der sogenannten Fürbitte um Vergebung für die Täter gebetet wurde. Das lehnt die Familie komplett ab.
Als die Vertreter und Vertreterinnen nach dem Gottesdienst zum Bahide-Arslan-Haus kamen, wurden sie von Achmed Arslan gefragt, warum die Familie
in diesem Jahr nicht zu den offiziellen Gedenkveranstaltungen der Stadt eingeladen wurde? Die Antwort des Bürgermeisters: „Wir haben die Familie in den letzten Jahren eingeladen, aber außer Servet Yilmaz ist sie ja nicht gekommen.“
Klarstellung: In diesem Jahr sind die Familien aus den diesjährigen Vorbereitungen wieder gänzlich ausgeschlossen gewesen und auch nicht offiziell eingeladen worden. In den letzten Jahren sind immer wieder unterschiedliche Familienmitglieder zu den Gedenkfeierlichkeiten der Stadt und zum Totengebet in der Moschee gegangen, nicht nur Servet. Aber da die Stadt nicht alle Familienmitglieder kennt und auch kein Interesse daran zeigt, sie kennenzulernen, sind sie als solche ganz offenbar nicht wahrgenommen worden.
All´ das zeigt, warum das Erinnern zu erkämpfen so aktuell ist. Und es wirklich noch viel zu tun gibt.
Also:
Konzertkarten organisieren,
zum Konzert kommen,
die Kritik am offiziellen Umgang mit Gedenken laut äußern,
die Solidarität mit den Betroffenen verstärken.

 (Foto: Antifa Koordination Lübeck)