Erneut Rechtsrock Konzert in Koberg

001Am 11. Juni 2016 fand erneut ein Neonazi-Konzert in Koberg statt. Bereits 2013 feierte der Neonazi und Mörder Stefan Silar seinen Geburtstag mit einem rechten Konzert in der Koberger Gaststätte “Koppelkaten”. Ausgerechnet am 21. Jahrestag der Möllner Brandanschläge. Die Polizei sah damals zu, die örtliche Politik war entsetzt und versprach in einer Resolution gegen rechts, alles zu unternehmen, um ein erneutes Konzert auszuschließen. Auch der Wirt versicherte wohl gegenüber dem Bürgermeister, die Räumlichkeiten nicht an Auswärtige ohne vorherige Rücksprache zu vermieten. Durch sein Versprechen und die schnelle Reaktion der Politiker*innen erschien uns eine weitere antifaschistische Intervention nicht notwendig.

Da allerdings am letzten Samstag erneut ein für die rechte Szene bedeutsames Konzert stattfand, lässt dies für uns drei Schlüsse zu. Auf dem Konzert spielte laut Recherche Nord die rechte Hooliganband “Kategorie C”, eine deutschlandweit bekannte Band und bei lokalen Neonazis und rechten Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen in Koberg und Umgebung äußerst beliebte Band. Bereits seit 2010 laufen Jugendliche (und mittlerweile junge Erwachsene) mit Shirts der Band sowie eigenen Shirts im Stile des Band-Merchandise offen herum. Gemeint sind die sich früher so nennenden “Koberger Jungs”. Neben der Faszination für die Band teilen sie das Interesse am Alkohol, rechter Musik, Kameradschaft und Gewalt. Sie unternehmen gemeinsame Ausflüge, veranstalten Liederabende und spielen zusammen in einer Fußballmannschaft. Es erscheint uns kein Zufall, dass deswegen ausgerechnet in Koberg das Konzert stattfand, zumal Mitglieder der kameradschaftsähnlichen Gruppe das Konzert besuchten. Zweitens scheint der Wirt keineswegs ahnungslos gewesen zu sein. Wer mindestens zwei Mal seine Räumlichkeiten für Neonazi-Konzert zur Verfügung stellt, ist ebenfalls mindestens Sympathisant der Szene. Drittens: die Polizei hielt sich zurück, der Staatsschutz aus Lübeck war wohl kurze Zeit mit einem Wagen vor Ort. Gleichzeitig gab es die Anweisung an lokale Polizeidirektionen, sich vom Ort des Geschehens fernzuhalten. Ein Skandal wie wir finden, denn wo sich gewaltbereite Neonazis und rechte Hooligans ungestört zusammen rotten dürfen und durch das Dorf patroullieren können, kann keine Sicherheit mehr aufrecht erhalten werden. Wir sind nicht in der Position, der Polizei ihre Arbeit zu erklären, aber es wird (aus Erfahrung) sicherlich zu Straftaten im Laufe des Abends gekommen sein, da die Polizei nicht eingegriffen hat, wäre eine mögliche Strafvereitelung im Amt zu prüfen. Für uns ist erneut klar, dass wir uns im Kampf gegen Faschismus und Neonazismus weder auf Polizei noch Politik verlassen können.

Gruppenbild 2011

Gruppenbild der “Koberger Jungs” 2011. Der Schriftzug ist angelehnt den Schriftzug “So sind wir” auf dem Merchandise der rechten Band “Kategorie C”.

koberger jungs

Die Gruppe veranstaltet auch selbst Konzerte und Liederabende. Dieses Bild zeigt die Personen auf einem ihrer letzten Konzerte. Mit dabei Dominic Rösch, langjähriger Neonazi, sowie die schwarze Kameradschaftsfahne mit “Herzogtum Lauenburg” Schriftzug, die in der Vergangenheit auf mehreren Neonazidemonstrationen auftauchte.

 Bild 1 von Recherche Nord http://recherche-nord.com/gallery/2016.06.11.1.html