Farbanschlag Koppelkaten

Wie die Lübecker Nachrichten berichten, gab es in der Nacht zu Dienstag einen Farbanschlag auf die Gaststätte “Koppelkaten” in Koberg. Erfahrungsgemäß haben wir eine andere Sicht auf die Geschehnisse als die LN.

In der Gaststätte “Koppelkaten” in Koberg fanden nicht nur wie erwähnt die zwei letzten rechtsradikalen Konzertabende statt, sondern wesentlich mehr. Auf einer Veranstaltung in Koberg berichtete ein ehemaliger Bürgermeister, dass auch unter seiner Amtszeit mehrere Konzerte dort stattfanden. Mutmaßlich waren es die gleichen Organisatoren, die auch das letzte Konzert mit der rechten Hooliganband „Kategorie C“ organisierten. Die LN zitiert den Besitzer der Gaststätte, dass dieser beteuert habe, er werde keine rechtsradikalen Parolen in seinem Saal mehr zulassen. Eine späte und unglaubwürdige Aussage, schließlich war er es doch, der angeblich ahnungslos mehrfach seine Räumlichkeiten für rechte Konzerte zur Verfügung stellte und selbst nie anwesend war – wie also will er es in Zukunft verhindern? Zumal eine solche Äußerung bereits nach dem Konzert 2013 erfolgte – danach fanden mindestens zwei weitere Konzerte statt. Ist Fritz Brügmann nun ein naiver Ahnungsloser oder hegt er insgeheim Sympathien für die rechte Szene? Für uns ist das vordergründig egal, was nämlich zählt ist, dass er es nicht schafft, rechte Konzerte aus seinem Saal fernzuhalten, sondern wiederholt an die rechte Szene vermietet. Von ihm ist also keine Hilfe im Kampf gegen rechts zu erwarten.

Nochmal: rechte Konzerte besitzen eine enorme Anziehungskraft auf die Szene. Die klandestine Organisation, der Reiz des verbotenen, selbst Teil einer ausgewählten Publikumselite zu sein, das alles stärkt und bindet die Besucher an die rechte Szene. Auch die Dorfpolitik war nicht untätig. Eilig verabschiedete man Resolutionen gegen rechts, die natürlich nichts brachten, denn es fanden weiterhin Konzerte statt. Die Grünen organisierten eine Podiumsdiskussion (hier nach zu hören), auf der die Polizei kritisiert worden ist und sich KobergerInnen sowie ExpertInnen austauschen konnten. Ein erster guter Schritt – zukünftige Konzerte lassen sich aber nur verhindern, wenn ihnen die Grundlage entzogen wird.

Deswegen sehen wir es nicht so wie Hanno Hannes in seinem Kommentar, dass der Anschlag den Bemühungen der Koberger, der rechten Szene mit Zivilcourage zu begegnen, geschadet habe, dass der Farbanschlag feige, dumm und kriminell wäre. Im Gegenteil. Der Farbanschlag ist zum einen symbolischen Zeichen gegen rechts. Ein Zeichen, dass es Menschen gibt, die verhindern wollen, dass rechte Konzerte stattfinden. Zum anderen ist er weder eine Gewalttat (bürgerliche Kräfte hielten es nur bis zum Nachmittag aus, ohne ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen, wo keine war), noch feige oder dumm. Wir finden es war eine richtige und wichtige Tat. Weil auf anderen Ebenen zu wenig passiert, sehen wir diese Tat, diesen Akt des zivilen Ungehorsams durchaus als Bestandteil des Kampfes gegen rechts. Wehret den Anfängen darf keine Phrase bleiben.

Die Reaktionen der KobergerInnen in den sozialen Medien zeigen übrigens, dass in Koberg noch viel zu tun ist. In rechter und dörflicher Manier ist dort davon zu lesen, dass man solche Dinge intern zu klären habe, dass man selbst schuld sei, schließlich habe man sich durch die Podiumsdiskussion „Linksautonome“ in das Dorf geholt. Menschen, die sich gegen rechte Umtriebe wehren, werden damit angefeindet, keine „echten Koberger“ zu sein. Man kenne „unsere Jungs“ und halte nach wie vor zu ihnen – das Konzert war schließlich ein Missverständnis. Die braune Suppe wollen sie selbst auslöffeln – oder am liebsten unter den Teppich kehren. Rechte Strukturen gehen uns alle etwas an, deshalb darf die Dorfgemeinschaft nicht sich selbst überlassen werden. Progressive und emanzipatorische Ideen und Gedanken müssen in die verkrustete Gemeinschaft getragen werden.